Brennen, ein Fremdkörpergefühl, gerötete oder zeitweise sogar tränende Augen: Wenn der Tränenfilm aus dem Gleichgewicht gerät, machen sich trockene Augen schnell unangenehm bemerkbar. Viele Betroffene greifen dann zu Augentropfen bei trockenen Augen, doch das Angebot in Apotheke und Drogerie ist groß und unübersichtlich. Hyaluron, Lipide, mit oder ohne Konservierungsstoffe, geeignet für Kontaktlinsen oder nicht: Welche Tropfen passen eigentlich zu Ihren Beschwerden?
Genau hier setzt dieser Ratgeber an. Sie erfahren, warum trockene Augen entstehen, welche Wirkstoffe wann sinnvoll sind, worauf Sie bei der Anwendung achten sollten und ab wann eine augenärztliche Abklärung ratsam ist.
Das Wichtigste in Kürze
Hyaluronsäure bindet Feuchtigkeit auf der Augenoberfläche und ist bei leichten bis mittleren Beschwerden die erste Wahl für eine spürbare Befeuchtung.
Bei zusätzlich gestörter Lipidschicht (verdunstungsbedingte Trockenheit) helfen lipidhaltige Tropfen, abends ergänzend ein Gel oder eine Salbe.
Konservierungsmittelfreie Augentropfen sind bei häufiger Anwendung und für empfindliche, gereizte Augen die schonendere Wahl.
Achten Sie auf die Verträglichkeit mit Kontaktlinsen – nicht jedes Produkt ist dafür freigegeben.
Die richtige Anwendung und Hygiene entscheiden mit über Wirkung und Wohlbefinden.
Bleiben Beschwerden trotz Tropfen bestehen oder schwankt die Sicht, lassen Sie die Ursache augenärztlich abklären.
Warum entstehen trockene Augen?
Damit Ihre Augen klar sehen und sich wohlfühlen, brauchen sie einen stabilen Tränenfilm. Dieser besteht aus drei Schichten: einer wässrigen Komponente für die Befeuchtung, einer äußeren Lipidschicht, die das Verdunsten bremst, und einer inneren Schleimschicht, die alles auf der Augenoberfläche hält. Gerät eine dieser Schichten aus dem Gleichgewicht, wird der Tränenfilm instabil – die Folge sind gereizte, brennende und manchmal paradoxerweise tränende Augen.
Die Ursachen sind vielfältig. Sehr häufig ist die Bildschirmarbeit: Wer konzentriert auf Monitor oder Smartphone blickt, blinzelt seltener, sodass der Tränenfilm schneller aufreißt. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zum Office Eye Syndrom am Arbeitsplatz. Auch das Alter, hormonelle Veränderungen sowie Umgebungsfaktoren wie trockene Heizungsluft, Klimaanlagen, Zugluft oder Rauch spielen eine Rolle. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.
Welche Wirkstoffe stecken in Augentropfen gegen trockene Augen?
Nicht jeder Tropfen wirkt gleich. Die Inhaltsstoffe entscheiden, ob Sie kurzfristige Linderung oder eine langanhaltende Wirkung erhalten.
Hyaluronsäure ist der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff. Sie bindet große Mengen Wasser auf der Augenoberfläche, sorgt für eine gleichmäßige Befeuchtung und legt sich wie ein schützender Film über das Auge. Sie eignet sich für die meisten Formen trockener Augen und wird gut vertragen.
Lipidhaltige Tropfen kommen zum Einsatz, wenn vor allem die äußere Fettschicht des Tränenfilms gestört ist. Sie verringern das Verdunsten der Tränenflüssigkeit und sind oft bei verdunstungsbedingter Trockenheit sinnvoll.
Dexpanthenol unterstützt die Regeneration gereizter Augenoberflächen und wird gerne in Gelen oder abendlichen Produkten verwendet. Zähflüssigere Formulierungen oder eine Augensalbe für die Nacht bleiben länger auf dem Auge, können die Sicht aber vorübergehend trüben.
Wirkstoffe im Vergleich: Hyaluronsäure, Lipide, Dexpanthenol und Gel/Salbe.
1Hyaluronsäure
breite Befeuchtung bei den meisten trockenen Augen, von leicht bis intensiv je nach Konzentration.
2Lipide
bei verdunstungsbedingter Trockenheit und gestörter Lidranddrüsen-Funktion.
3Dexpanthenol
unterstützt die Regeneration gereizter Augen, oft in Kombipräparaten.
4Gel/Salbe
zähflüssig, langanhaltend, ideal für die Nacht – kann die Sicht kurzzeitig trüben.
In kleinen Fläschchen verbergen sich oft komplexe Wirkstoffkombinationen gegen trockene Augen.
Warum sind konservierungsmittelfreie Augentropfen oft die bessere Wahl?
Ein wichtiges Auswahlkriterium sind Konservierungsstoffe. Sie verhindern in Mehrdosis-Flaschen, dass sich Keime vermehren. Das ist praktisch, kann aber einen Nachteil haben: Manche Konservierungsmittel reizen bei längerer oder häufiger Anwendung die Augenoberfläche zusätzlich, was bei ohnehin gereizten Augen kontraproduktiv ist.
Deshalb sind konservierungsmittelfreie Augentropfen für viele Betroffene die schonendere Wahl. Möglich wird das durch Einzeldosis-Pipetten oder Mehrdosis-Systeme wie das COMOD-System, die den Inhalt ohne Konservierungsstoffe keimfrei halten. Für die regelmäßige Anwendung über Wochen sind konservierungsmittelfreie Produkte daher meist besser geeignet.
Experten-Tipp von Dr. Nela Stojanovic
„Viele Patientinnen und Patienten kämpfen monatelang mit trockenen Augen, ohne die eigentliche Ursache zu kennen. Mein Rat: Probieren Sie nicht endlos Produkte durch, sondern beobachten Sie genau, wann die Beschwerden auftreten – nach langer Bildschirmarbeit, abends oder ganztags? Diese Beobachtungen helfen uns enorm, gezielt das richtige Präparat auszuwählen. Und wenn Tropfen über Wochen keine Linderung bringen, steckt oft mehr dahinter – das gehört abgeklärt.“
– Dr. Nela Stojanovic, FEBO
Welche Augentropfen passen zu Kontaktlinsen – und welche im Alter?
Tragen Sie Kontaktlinsen, sollten Sie nicht zu jedem Produkt greifen. Nur ausdrücklich dafür freigegebene Tropfen dürfen direkt auf die eingesetzte Linse gegeben werden. Achten Sie auf einen entsprechenden Hinweis auf der Verpackung; konservierungsmittelfreie Tropfen sind auch hier oft verträglicher.
Im Alter wird die Tränenproduktion geringer und die Augen trockener. Hier sind häufig intensiver befeuchtende Präparate mit höherer Hyaluron-Konzentration sinnvoll, abends ergänzt durch ein Gel oder eine Salbe. Bekannte Produktlinien wie Hylo, Vision oder Artelac dienen nur der Orientierung, nicht als Testsieger. Eine ausführlichere Übersicht finden Sie in unserem Beitrag zur Behandlung und Vorbeugung von trockenen Augen.
Wie wenden Sie Augentropfen richtig an?
Selbst die besten Tropfen wirken nur, wenn Sie sie korrekt anwenden. Mit ein paar einfachen Schritten vermeiden Sie Reizungen und sorgen dafür, dass der Wirkstoff dort ankommt, wo er soll.
1Hände waschen
Reinigen Sie Ihre Hände gründlich, bevor Sie das Auge berühren.
2Kopf in den Nacken
Legen Sie den Kopf leicht zurück und blicken Sie nach oben.
3Unterlid herunterziehen
Ziehen Sie das Unterlid sanft nach unten, sodass eine kleine Tasche entsteht.
4Tropfen geben
Geben Sie einen Tropfen in die Tasche, ohne mit der Spitze Auge oder Wimpern zu berühren.
5Auge schließen
Schließen Sie das Auge ruhig; leichter Druck auf den inneren Augenwinkel verteilt den Tropfen.
6Wartezeit einhalten
Bei mehreren Präparaten einige Minuten zwischen den Anwendungen warten.
Zur Hygiene: Berühren Sie die Behälterspitze nie mit den Fingern oder dem Auge und beachten Sie die Verwendungsdauer nach dem Öffnen.
Augentropfen in sechs einfachen Schritten hygienisch und effektiv anwenden.
Wann sollten Sie trockene Augen augenärztlich abklären lassen?
Augentropfen lindern in vielen Fällen zuverlässig. Es gibt aber Warnsignale, bei denen Sie nicht weiter auf eigene Faust experimentieren sollten: anhaltendes Brennen oder Schmerzen trotz regelmäßiger Anwendung, schwankende Sicht, Beschwerden über Wochen ohne Besserung, starke Rötung, Lichtempfindlichkeit oder Sehverschlechterung.
Hinter trockenen Augen können Funktionsstörungen der Liddrüsen, Entzündungen oder Allgemeinerkrankungen stecken, die gezielt behandelt werden müssen. In der augenärztlichen Untersuchung lässt sich der Tränenfilm beurteilen, die Ursache eingrenzen und eine passende Therapie festlegen.
Halten trockene Augen trotz passender Tropfen an, brennen oder schwankt die Sicht? In der Augenarztpraxis im Haubrichforum in Köln beraten wir Sie persönlich zu Diagnostik und Behandlung.
Was sind die besten Augentropfen bei trockenen Augen?
Die „besten“ Tropfen gibt es nicht pauschal – sie hängen von Ihrem Beschwerdebild ab. Bei leichten bis mittleren Beschwerden sind hyaluronhaltige, konservierungsmittelfreie Tropfen eine gute Basis. Bei verdunstungsbedingter Trockenheit können lipidhaltige Präparate sinnvoller sein.
Was empfehlen Augenärzte bei trockenen Augen?
In der Praxis wählen wir das Präparat nach Ursache und Schweregrad aus – häufig konservierungsmittelfreie Befeuchtungstropfen mit Hyaluron, bei Bedarf ergänzt durch lipidhaltige Tropfen oder ein Gel für die Nacht. Wichtig sind außerdem die richtige Anwendung und das Vermeiden von Auslösern.
Welche Augentropfen bei trockenen Augen im Alter?
Mit zunehmendem Alter sind oft intensiver befeuchtende Tropfen mit höherer Hyaluron-Konzentration hilfreich, abends ergänzt durch ein Gel oder eine Salbe. Auch lipidhaltige Präparate können unterstützen. Eine individuelle Beratung ist gerade hier sinnvoll.
Welche Augentropfen helfen gegen trockene Augen?
Befeuchtende Tropfen mit Hyaluronsäure helfen bei den meisten Formen trockener Augen. Ist vor allem die Lipidschicht gestört, eignen sich lipidhaltige Tropfen besser. Konservierungsmittelfreie Varianten sind bei häufiger Anwendung meist verträglicher.
Welche Augentropfen empfehlen Augenärzte?
Augenärztinnen und Augenärzte empfehlen in der Regel keine pauschale Marke, sondern den passenden Wirkstoff für Ihre Situation. Bekannte Produktlinien dienen nur der Orientierung – welches Präparat geeignet ist, klären wir am besten gemeinsam in der Sprechstunde.
Fachärztin für Augenheilkunde · Augenarztpraxis im Haubrichforum, Köln
Dr. Nela Stojanovic ist Fachärztin für Augenheilkunde (FEBO) mit langjähriger Erfahrung und einem besonderen Schwerpunkt auf trockenem Auge und Tränenfilm-Erkrankungen. In ihrer Praxis im Haubrichforum am Kölner Neumarkt verbindet sie moderne Diagnostik mit persönlicher, verständlicher Beratung.
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FEBO ist die Abkürzung von „Fellow of the European Board of Ophthalmology“ und gilt auch als Europäischer Facharzt für Augenheilkunde. Diese Titel-Bezeichnung erhält man nach Ablegen einer entsprechenden Prüfung bei der Europäischen Fachgesellschaft für Augenheilkunde (European Board of Ophthalmology Diploma) in Paris.
Welche Augentropfen helfen wirklich bei trockenen Augen? Der Ratgeber von Dr. Stojanovic erklärt Hyaluron, Lipide und konservierungsmittelfreie Tropfen, die richtige Anwendung, die Eignung bei Kontaktlinsen und im Alter – und ab wann Sie augenärztlich abklären lassen sollten.